Wie alles begann:
Schon als Kind wurde meine Liebe zum Tier besonders zum Hund durch meine Großeltern gestärkt. Ich hatte das Glück schon früh für eigene Tiere sorgen zu dürfen, wobei auch meine Eltern immer großen Wert auf artgerechte Haltung und respektvollen Umgang legten. Genau erinnere ich mich noch an den Tag, als unser erster Hund, eine Cockerspanielhündin " Drolla" bei uns einzog. Damals lernte ich erst recht, was es bedeutet für einen Hund zu sorgen, ihn zu erziehen und seinen Bedürfnissen gerecht zu werden. Schon mein Vater erzog die kleine Hündin, wie er es von seinen Eltern gelernt hat, respektvoll und gewaltlos. Höchstens die Stimme wurde mal erhoben.......
Jahre später:

Meine Ausbildung war beendet, ich hatte Sozialarbeit studiert und arbeitete mit Drogenabhängigen in Bochum. Der Wunsch nach einem eigenen Hund wuchs unaufhörlich. Mir wurde erlaubt den Hund mit zur Arbeit zu nehmen, der Vermieter gab sein ok und dann war es endlich soweit. In der Zeitung las ich von einem Wurf Schäferhund- Mixwelpen, und "Ronja" zog mit 7 Wochen im Oktober 1997 bei uns ein. Der kleine Welpe war nicht nur ein Schäferhund, nein auch ein Husky , Podenco und Schnauzer. Sicher kein Mischling, der unbedingt in Anfängerhände gehört, aber davon hatte ich keine Ahnung.
Schon früh zeigte sich ihr extremer Schutztrieb - ich fand es niedlich, ein Welpe, der sich tapfer vor mich stellt und einen aggressiven Klienten von mir anknurrt- . Süß fand ich auch, wie die kleine Hündin hochkonzentiert den Kaninchen hinterher rannte, und mich dabei nicht mehr wahrnahm. Viel hatte ich noch zu lernen...
Als meine Welpe dann zweimal gebissen wurde, entwickelte Ronja Angst vor älteren Hunden und und ich beschloss mir einen Hundetrainer zu suchen, der Ronja, und mittlerweile auch mir, die Sicherheit bei anderen Hunden zurückgab. Doch auf was für sogennannte Hundeausbilder traf ich, ich sollte schreien ( mein Hund kann doch gut hören ) sollte die Hündin mit dem Alphagriff auf den Rücken werfen, sollte sie im "Gesundheitshalsband" würgen...., irgendwie war das nicht meine Welt...
Zum Glück hörte ich beim Hundespaziergang von einer anderen Methode, eine junge Frau unterrichtete sie... TTEAM..... ruhig und respektvoll durfte ich meinem Hund begegnen,ich lernte die andere Art der Berührung ( TOUCHES), konnte Ängste lösen und gewann mit Ronja zunehmend Sicherheit bei der Bodenarbeit. Mir wurden die Hundesprache ( calming signals) erklärt. Ich verstand von mal zu mal meine Hündin und ihr Wesen besser. DANKE Silvia Weber ( Hundeschule BEST FRIENDS)!

So kam ich zu Tellington, besuchte Einzelstunden, Workshops und begann 2000 meine Ausbildung zur TTEAM Practionerin für Hunde, die ich 2003 mit einer Prüfung bei Linda Tellington Jones abschloss. Zwischenzeitlich zog 1999 die taube Dalmatinerhündin" Cay" bei mir ein, kurz vor Ausbildungsbeginn, im August 2000 ihr ebenfalls tauber Bruder Patch, der damals 16 Monate alte Rüde, wohnte zuvor in mindestens 8 Familien, konnte nicht alleine bleiben, zerlegte ganze Wohnungseinrichtungen, ging schreiend Wände hoch, knabberte sich die Pfoten auf.... ( seine ganze Geschichte finden Sie im Buch :" Anders - aber trotzdem glücklich"- Patch, ein Dalmatiner mit Tennungsangst, Taubheit Nebensache.MariPosa Verlag 2007 )
Im Jahre 2001 gründeten ein paar Freunde und ich den Tierschutzverein TierOase BoWi e.V., der es sich zur Aufgabe gemacht hat, sich um alte und behinderte Hunde zu kümmern. Zusätzlich versorgen wir die Tiere der Bochumer Abhängigen nach Bedarf mit Futter, oder ermöglichen einen notwendigen Tierarztbesuch.
Im Rahmen unsere Tierschutzarbeit wohnten in den 10 Jahren unseres Bestehens bis zu ihrer Vermittlung sehr viele alte und behinderte Hunde ( seltener Katzen und Kleintiere) bei mir:
-taube Dalmatinerwelpen,

-Kafka- ein Welpe der ohne soziale Kontakt, die ersten Monate seines Lebens unter einer Wärmelampe verbrachte- ein sogenannter Kasper Hauser Hund.
-der alte Bonifaz, der schwer gehbehindert und anfangs aphatisch, ohne den Wunsch nach Kontaktaufnahme war.
- Benny, ein junger Rüde, der schon früh durch falsche Behandlung dem Menschen gegenüber aggressive Tendenzen zeigte und unfähig war mit anderen Hunden zu kommunizieren.
- ein Wurf Bordercolliewelpen, die schon im Alter von 6 Wochen von der Mutter getrennt wurden, und in meinem Rudel noch Defizite aufholen konnten, um sich zu ganz normalen Hunden zu entwickeln, und viele viele mehr.
Geblieben sind :

Lotti, eine Schäferhündin aus Ungarn, sie kam zerbissen nach 4 Jahren Tierheim mit großer Angst vor Männern, als 12 jähriger Notfall zu uns, da sie sich langsam im Tierheim aufgab. Lotti wurde 16 Jahre und stand bis zu ihrem letzten Tag dem Rudel vor und war mir eine großartige Lehrerin, denn bei ihr konnte ich lernen, daß ein wirklich dominanter Hund ruhig und erhaben über den Dingen steht und es nicht nötig hat sich zu raufen.

Joshi war ein tauber 50cm hoher Rüde aus Ungarn der mit ca. 13 Jahre zu uns kam. Er hatte sein Leben an der Kette verbracht und konnte anfangs auf Grund seiner Spondylosen nur noch wenige Schritte laufen. Joshi war zu Beginn bissig und entwickelte sich in den 2 1/2 Jahren, die er noch bei uns war zu einem liebenswerten Sturrkopf, dem weder sein Herzfehler, der Leberschaden, noch seine Behinderung irgendwie den Mut nahm. Ein kleiner weißer Kämfer....
Mopca war ein Schäferhundmix, mit über 50 kg Er war dankbar und anhänglich vom ersten Tag an. Er starb schon nach 13 Monaten bei uns an plötzlichem Herzversagen, gerade als wir dachten seinen Krebs in den Griff bekommen zu haben.

Ordas durfte fast 4 Jahre bleiben, nachdem er mit fast 12 Jahren, nach 5 Jahren Tierheimaufenthalt in Ungarn, zu mir kam. Er war anfangs sämtlichen Umweltreizen gegenüber sehr scheu, ging trotz seiner Spondylosen noch auf Jagd, raufte sich auch noch gerne. Doch Ordas wurde schnell der "Fels in der Brandung", der meinem jüngeren Rüden Patch die Ruhe gab. Bald schon ging er nicht mehr impulsiv auf jede " Prügelei" ein, sondern begegnete brenzlichen Situationen mit seiner Ausgeglichenheit und ausgeprägten Dominanz eines älteren lebenserfahrenen Rüden. Auch nach seinen 2 Schlaganfällen und Brüchen der Spondylosespangen kam er durch TTELLINGTON wieder auf die Beine... Ein starker Ordas (Ordas heißt Wolf)

Vendel kam nach einem schweren Autounfall als ca. 8 jähriger zu mir. Er hat vorher freilebend, mit Kontakt zu einigen Bauernhöfen autonom in Ungarn gelebt. Ob Vendel schon immer taub war, oder erst durch den Unfall sein Gehör verlor, weiß ich nicht, aber es war nie ein Problem. Durch Tellington lernte Vendel wieder längere Spaziergänge mit dem Rudel zu unternehmen. Später als die alten, kaputten Knochen nicht mehr wollten, bekam er seinen " Wagen" und konnte so das Rudel weiter begleiten. Doch nach 3 Jahren kamen die Schmerzen... und als die Medikamente nicht mehr wirkten, ging er zu den vielen Freunden über die Regenbogenbrücke.

Zur Zeit leben wir mit vier Dalmatinern zusammen. Patch und Cay, mittlerweile 12 Jahre alt wurden vor drei Jahren von der ebenfalls tauben Welpe Fran verstärkt. Kurz danach zog die jetzt fast 4 jährigen Hazel bei uns ein. Hazel leidet unter einem Kleinhirnschaden, der sich durch Koordinations- und Bewegungsstörungen, sowie Lernschwiegkeiten äußert. Unsere Katzen Pummel 17 Jahre und July 2 Jahre ergänzen unsere Familie.

Immer wieder konnte ich erleben, wie durch TTEAM®, aber vor allem Liebe und Verständnis gepaart mit viel Respekt vor der individuellen Geschichte und den Erfahrungen des Tieres auch alte, kranke, vernachlässigte, geschlagen Hunde ihren Lebensmut zurückbekommen und uns langsam in das Mysterium Hund Einblick verschaffen. Alle meine Hunde konnten, trotz ihrer Lebensgeschichte und den unterschiedlichsten Erfahrungen voll in ein Rudel integriert werden und wurden wertvolle Begleithunde, die noch alles gelernt haben, was sie für ein Leben in unserer Familie brauchten.

Um so wichtiger ist es, den Welpen, der uns anvertraut wird, freundlich und liebevoll zu dem Diamanten zu formen, der in ihm steckt. Es liegt an uns, in unsere Hand und Verantwortung im ein unbeschwertes Leben zu bieten, indem wir ihm zeigen, was wir uns von ihm wünschen, ihn behutsam an die " Gefahren" des Lebens heranführen und ihn vor Unheil und Grobheit schützen und vor allem ihn Hund sein lassen.Er wird es uns mit Treue und Freundschaft danken.